.einundvierzig.

Weckergeräusche. Es ist gemütlich. Es ist warm. Ich schlafe wieder ein. Das Aufstehen wird hart. Ich quäle mich. Das Bett ist so gemütlich.

Auf einmal bin ich fertig. Angezogen. Geduscht. Ready to go. Wie habe ich das geschafft? Wenige Augenblicke zuvor schien es noch das schwierigste auf der Welt zu sein.

Ich fühle mich gut. Endlich. Ich bin überrascht. Überrascht, dass es mir nicht schlecht geht.
Der Vormittag zieht sich langsam dahin. Mein Wohlgefühl verabschiedet sich. Es wird ein Abschied für lange, ahne ich. Eine alte Bekannte kommt dafür zurück. Sie ist vertrauter als das Angenehme. Die Angst. Sie erfüllt mich, zerfrisst mich. Ich versuche ihr zu widerstehen. Versuche mich zu beruhigen. Ich bin hilflos.

Ich habe Mittagsdienst. Er rettet mich für 10 Min. vor ihr. Doch sie kommt wieder. Zieht sich durch mich hindurch, während ich dem Unterricht der Therapeutin lausche.
Sie nähert sich von meinen Gedanken. Die Angst. Sie wird größer.

Ich bin nur noch die Hülle. Sitze da. Im Krisenkontakt. Sitze da. Im SKT. Sitze da. In der Abschlussrunde. Während in mir die Angst jeden vernünftigen Gedanken zerschlägt und durch Sorgen ersetzt.

Dann fahre ich.  Nach Hause.  Zum Arzt. Fahre hin und her. Immer wieder. Zwischendurch sitze ich. Ruhe aus. Telefoniere. Ich kann wieder freier denken. Wieder zur Ärztin. Ich bin entspannt. Wie konnte ich nur solche Angst haben? Ich kann es nicht verstehen. Kann mich nicht verstehen.

Wieder aufstehen. Wieder quälen. Es ist doch so angenehm hier. Warum muss ich denn aufstehen? Immer wieder drehe ich mich um. Bis ich es endlich schaffe. Ich bin wach. Ich bin da. Fahre los.

Ich sitze. Ich schreibe. Ich esse. Die positive, ungewohnte und doch irgendwie vertraute Stimmung des Morgens klingt ab.

Wie eine warme Dusche übergießt mich die Traurigkeit. Sie dringt ein in jede Pore. Ergreift mich von innen. Füllt mich aus.

Ich habe das Gefühl weinen zu können, doch kann es nicht.
Ich sitze und denke. Traurig. Starre umher. Traurig. Alles was ich sehe. Traurig. Ich male. Ich säge. Traurig.

Dann wieder Mittag essen. Mir schmeckt es einigermaßen. Das ist selten. Langsam löst sich die Traurigkeit. Ich liege im Strandkorb zu dritt. Ich bin unsicher. Ich fühle mich wohl.
Es ist warm. Meine Schmetterlinge gefallen mir. Wieder drinnen. Basisgruppe. Alles ist bekannt. Damit habe ich mich vor einem Jahr im Studium beschäftigt. Also kommt natürlich alles wieder hoch. Ich bin traurig.

Abschlussrunde. Nach Hause. Ich fühle mich wohl. Wir gehen Eis essen. Es schmeckt sogar etwas. Süß. Ich bin unsicher. Habe Angst. Angst, allein zu sein. Angst, abgewiesen zu werden. Angst, die Zeit nicht bestmöglich zu nutzen.

Wieder bei ihr. Ich bin traurig. Mein Körper ist noch da. Doch ich falle. Falle immer tiefer in einen leeren grauen Schleier, in ein Nichts, das mit unendlicher Traurigkeit erfüllt ist.

Der Abschied ist kurz. Wieder Angst. Mag sie mich? Angst. Ich kaufe Karton. Telefoniere. Bin ruhiger. Wieder Zuhause.  Wieder los. Treffen. Bin ruhig. Bin da. Bin weg. Angst. Traurigkeit. Ich fühle mich wohl. Zuhause. Ich mache noch ein paar Sachen am Blog. Ich sollte schlafen. Ich will nicht. Mir geht es doch gut.

Und schon wieder aufstehen. Wozu? Warum kann ich nicht liegen bleiben? Schlafen. Nie wieder aufwachen. Doch ich stehe auf. Mache mich fertig. Es geht los.

Frühstück aufbauen. Warten. Ich spüre nichts. Ich fühle nichts. Unendliche Leere. Physio Körperskills. Es macht Spaß. Glaube ich. Doch dann ist es wieder vorbei. Wieder sitzen. Die Leere füllt sich langsam an. Mit Traurigkeit. Leichte Bedrücktheit. Ich treibe weg. Weg aus der Realität. Rede nicht mehr. Bewege mich nicht mehr. Nehme nichts mehr wahr. Noch funktioniere ich. Hole mir Essen. Werde immer trauriger. Bis meine Leere randvoll ist mit Traurigkeit. Ich bin nichts außer dieser nagenden Traurigkeit. FKT. Ich bin nicht da. Höre. Rede nicht.

Es wird schlimmer. Ich sitze drinnen. Sitze draußen. Traurig. Wie können wir dir helfen? Ich fühle mich schuldig, weil ich es nicht weiß. Ich werde trauriger.

Ich male. Male Meer. Wellen. Eine Brise. Abschlussrunde. Ich bin wieder da. Traurigkeit ebbt ab. Ich kann wieder denken.

Zuhause. Aufräumen. Essen machen. Es schmeckt nichts. Was habe ich erwartet?   Fahre wieder los. Dramenwerkstatt. Es ist kalt. Es ist gut. Glaub ich. Fühle ich das? Oder denke ich, ich müsste das fühlen? Schreibe Texte. Lese.

Wieder Zuhause. Basteln. Sie ist auch da. Ich fühle mich wohl. Es ist anders als sonst. Ich habe keine Angst. Bin da. Genieße. Freude? Ich glaube es macht Spaß. Ich bin nicht mehr traurig. Denke nicht an Abschied. Auch beim Abschied nicht der endgültige. Fühle ich. Hoffe ich? Hausaufgaben. Ich quäle mich nochmal. Bin müde. Bin zufrieden. Irgendwie. Ich fühle mich gut. Komisches Gefühl. So fremd. So angenehm.

Aufwachen. Aufstehen. Heute ist es leichter. Duschen. Anziehen. Sachen packen. Es ist unordentlich. Es ist stört mich nicht.

Es scheint mir ganz gut zu gehen.

Ich fahre los. Gleich Bezug. Ich sitze da. Rede. Höre zu.

Danach gleich runter zu ADL. Wieder hoch. Essen. Runter. Einkaufen. Ich fühle mich leer. Spüre nichts. Denke nicht. Ich gehe mit. Gehe wieder zurück. Wir schneiden. Kochen. Warten. Ich bin leer.
Wir essen. Es schmeckt nicht. Ich esse noch mehr. Es schmeckt nicht. Abwaschen. Wieder hoch. Protokolle schreiben. Warten. Durchatmen. Ich merke die Traurigkeit.
Wir gehen los. Außenaktivität. Ich bin still. In mich gekehrt. Traurig. Leer.
Wieder zurück. Abschlussrunde. Vorbei. Wie immer.

Zuhause. Noch etwas basteln. Bis die Finger schmerzen. Ich werde weniger traurig.
Doch es kommt keine Freude statt der Traurigkeit. Nur Leere.

Orga-treffen. Wir essen. Wieder. Ich schmecke nichts. Sie reden. Ich bin still. Ich muss schon wieder los.

Zum Workshop. Ich weiß nicht, ob ich mich darauf freue. Ich denke schon. Es beginnt. Ich bin unsicher, nervös.

Doch langsam vergesse ich alles. Bin voll da. Mache mit. Bin laut. Es scheint gut zu sein.

Ich spiele. Es ist vorbei. Ich bin zufrieden. Noch ein bisschen essen. Ein bisschen basteln. Ein bisschen hören. Schlafen. Ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich bin weg.

Ich bin wieder wach. Alles wiederholt sich.

Wieder in der Klinik. Gleich Einzel. Angst. Druck. Ich muss die Zeit nutzen. Bestmöglich. Ich muss mir helfen lassen. Ich bin traurig.

Zurück in meine Kindheit. Zurück in meine Gegenwart. In meine Zukunft. Alles macht mich traurig.
Ich sitze wieder im Tagesraum. Die Traurigkeit klingt nach. Ergotherapie fängt an.

Immer wieder schweifen meine Gedanken ab. An die Vergangenheit. Sie macht mich traurig.
An ehemalige Freund*innen. An meine Wünsche.

Es gibt Mittag. Ich esse. Ich schmecke nichts.

Wieder ist das Essen vorbei und die Leere erschlägt mich erneut. Warten und Warten.
Kunsttherapie.  Mein Antrieb sinkt. Ich bewege lustlos den Pinsel auf und ab. Ich bin kurz davor zu weinen. Doch wieder klappt es nicht.

Abschlussrunde. Nach Hause.

Ausruhen. Fertigmachen. Basteln. Angst. Losfahren. Einsam. Ich sitze da. Im Vortrag. Fühle mich schlecht. Fühle mich fremd. Einsam.

Ich gehe wieder.

Treffe mich. Irgendwie fühle ich mich grad wohl hier mit ihr. Es ist angenehm.
Wir gehen wieder auseinander. Ich habe Angst. Wieder die Angst vor der Abweisung, vor dem Alleinsein. Mag sie mich überhaupt? Wieder Zuhause. Etwas basteln. Etwas Nichtstun. Ich werde müde. Gehe zu Bett. Schlafe ein.

Ich wache wieder auf. Angst. Wie soll ich das schaffen? Ich kann nicht mehr. Ich will sterben.
Wie soll ich das alles schaffen? Es ist alles so viel.  Unmöglich. Ich muss einkaufen. Essen machen.
Ich sage ab. Das verschafft mir etwas Ruhe. Autos tauschen. Einkaufen. Essen. Fertigmachen.
Ich muss los. Schnell zum Bahnhof. Es ist nett. Ich fühle mich einigermaßen wohl.

In den Zug nach Flensburg. Ich sitze allein, fühle mich einsam. Werde traurig.
Dann sind wir da. Es ist nass, es regnet. Es geht los. Ich bin irgendwie gedämpft. Traurig. Zwischendurch fühle ich mich wohl. Dann wieder so leer.

Es geht wieder zurück. Ich bin noch einsamer. Fühle mich unendlich allein. Ich bin wieder Zuhause.
Darf ich mich ausruhen? Muss ich noch etwas erledigen? Ich will nicht mehr.

Ich bastele wieder. Gucke fern. Empfinde keine Freude. Ich ekle mich. Vor mir. Vor allem.
Alles ist irgendwie hässlich. Unangenehm.

Ich will nicht mehr. Lege mich hin. Lasst mich doch in Ruhe! Lasst mich sterben!
Warum ist denn alles so schwer, alles so scheiße?

Ich will doch nur glücklich sein und Liebe haben.
Oder sterben.

Da bin ich wieder. Wach. Es ist so angenehm. So warm. Ich bin etwas aufgeregt. Stehe langsam auf. Ich will basteln. Gleich treffe ich mich. Glaube ich. Ich bin unsicher.  Das macht mir Angst. Ich bekomme keine Antwort.

Lege mich ins Bett. Das wollte ich eigentlich doch nicht mehr tun. Alles bricht zusammen. Ich verliere jegliche Struktur. Jeglichen Halt. Die Entscheidung, noch hinzugehen oder nicht, überfordert mich. So sehr, dass mein einziger Ausweg aus diesem Dilemma immer wieder der Suizid ist,

Ist sie jetzt böse auf mich, weil ich nicht komme? Ist sie mir böse, weil ich deswegen zusammenbreche? Sollte ich ihr böse sein? Ich weiß es nicht. Ich habe Angst. Zwei Stunden lang. Kann nichts tun. Außer zu liegen und zu verzweifeln. Die Suizidbilder heben es sich in meinem Kopf gemütlich gemacht. Ich halte das nicht mehr aus.

Dann beruhigt mich eine andere Person. Sie nimmt mir die Entscheidung ab. Doch die Ängste bleiben. Traurigkeit entfaltet sich.

Ich muss wieder los. Treffen. Ich fühle mich unwohl. Fremd hier. Ich will nicht sein.

Doch es geht. Ich entspanne mich. Kann reden, mich einbringen. Es ist wieder vorbei.

Ich bin wieder Zuhause. Habe ein seltsames Gefühl. Es kommt mir bekannt vor. Es war ewig nicht da. Es ist eine Mischung aus Angst, Aufregung und das Gefühl des Unbekannten. Ich liege rum. Schreibe. Fühle mich halbwegs wohl. Es fühlt sich an, wie der Weg in der Achterbahn. Wo es langsam immer höher geht. Dann hält sie an.

Und es geht los.

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