.neunundzwanzig.

—Triggerwarnung—

Jeden Tag sehe ich meinen Ausweg. Jeden Tag denke ich daran. Jeden Tag Frage ich mich, warum ich ihn nicht wähle.

Jeden Tag nehme ich ihn und lege ihn mir um.

Warum tue ich es doch nicht?

Warum stehe ich überhaupt noch auf? Jeden Tag brauche ich Stunden, um mich aus dem Bett zu quälen. Und jeder zweite Gedanke ist an den Ausweg. Alle paar Sekunden sehe ich mich ihn wählen, und spüre das wohlige Gefühl der Befreiung.

Wenn ich es dann geschafft habe, aufzustehen, lege ich mich wieder hin. Und alles geht von vorne los.

Ich gehe nicht mehr raus. Verlasse weder Wohnung noch Bett.

Warum sollte ich so weitermachen und nicht den anderen Weg gehen?

Ich steh doch wieder auf, gehe in die Küche. Alles ist durcheinander und nicht abgewaschen. Ich gehe wieder raus ohne zu essen. Lege mich wieder hungrig hin.

Ich denke wieder an den Ausweg, der an der Tür hängt. Er ist nicht weg. Viel näher als das Dach, als die Brücke, als die Autobahn.

Ich schlafe, Wache auf, schlafe wieder ein. Ich krümme mich vor Angst. Vor Einsamkeit.

Ich will weinen. Doch es kommen keine Tränen.

Ich zittere. Ich habe Panik.

Und dann ist sie wieder weg, und ich fühle mich unendlich allein.

Ich denke daran, glücklich verliebt zu sein. Und bin traurig. Ich weiß, dass das nie eintreten wird.

Ich denke daran körperliche Nähe, Intimität, Zuneigung zu spüren. Und bin nich trauriger. Ich weiß, dass auch das nie eintreten wird.

Und wieder treiben die Gedanken zum Ausgang. Zum Türrahmen.

Ich stehe wieder auf. Esse irgendwas. Es ist egal. Es schmeckt nicht. Nichts schmeckt.

Es ist schon Abend.

Was habe ich geschafft? Nichts

Wieviel Zeit habe ich verschwendet? Ich fühle mich noch schlechter.

Ich gehe wieder ins Bett. Versuche zu schlafen, doch kann es nicht.

Ich liege stundenlang voller Angst und Traurigkeit wach.

Und wieder ist ein Tag vorbei.

Wieder habe ich einen Tag überlebt.

Ich lebe. Aber wozu?

Ein Gedanke zu “.neunundzwanzig.

  1. Jeder Mensch hat nicht nur das Recht. sondern auch die Möglichkeit herauszufinden, sogar gerade zu die Pflicht, zu entdecken, was das Leben für ihn wertvoll macht. Es ist ein langer Weg… nicht jeder Tag muss und kann schön sein. Doch wenn wir am Verzweifeln sind, merken wir oft, was das ist, das uns verletzbar macht und was uns am wichtigsten ist, wofür wir kämpfen würden und warum es in Ordnung ist, hin und wieder nicht weiter zu wissen. Denn das ist nur… menschlich. Wir befinden uns alle auf einer Reise.

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