.einunddreißig.

Ich habe mir immer vorgestellt, dass ich von einer anderen Welt komme. Einem anderen Planeten. Warum auch sonst bin ich so anders?

Wäre ich ein Mensch, müsste ich doch andere Menschen verstehen. Müsste ihre Sprache sprechen. Würde dazugehören.

Ich verstehe sie aber nicht. Sie freuen sich über Dinge. Sie können sich begeistern. Aber nie für das wenige, für das ich mich begeistere. Sie regen sich auf. Ich nicht.

Sie haben konkrete Ziele, konkrete Ängste, konkrete Sorgen, konkrete Probleme.

Sie haben Freund*innen.

Ich bin auf dieser Welt gelandet, doch nie in ihr. Bin nie angekommen.

Ich blicke immer noch aus meiner kleinen Raumkapsel nach außen. Ich bin eine bloße Beobachterin.

Ich schaue auf dieses Leben. Ich sehe einen Film. Ich fiebere mit den Charakteren mit. Wäre auch so gerne mit in dem Geschehen. Aber ich bin bloß im Publikum. Der Saal ist leer. Ich bin die einzige Zuschauerin. Alle Menschen sind in diesem Film. Nur ich nicht. Weil ich nicht dazugehöre.

Das werde ich nie. Denn ich bin eine Außerirdische. Ich kann die Menschen wie eine Forscherin beobachten und studieren, doch ich kann sie nie verstehen, nie nachempfinden, was sie fühlen, nie mitfühlen, nie ein Teil von ihnen sein.

Wie lange muss ich noch auf diesem kalten und fremden Planet ausharren? Wie lange in diesem Leben, das nicht meins ist?

Werde ich endlich abgeholt? Zurückgebracht nach Hause? In meine Welt? Dahin, wo ich verstanden werde, wo ich dazugehöre.

Doch das Raumschiff kommt nicht. Ich warte.

Ich warte schon seit 21 Jahren 190 Tagen und 19 Stunden.

Ich warte vergeblich.

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